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Ulmia Ott Hobelbank aus dem Jahr 1899

Nach meinen Recherchen, ist die Bank eine so genannte OTT’s Ulmer Hobelbank von 1899 – 1913. Sie hat also den ersten und zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Ulmia hatte ab 1899 die ersten Bänke mit französischen Vorderzangen im Verkauf. Siehe https://www.holzwerken.de/museum/hersteller/ulmia.phtml

Das wurde mir unabhängig davon von einem Ex-Vertriebsmitarbeiter von Ulmia bestätigt.

Die Vorderzange und Seitenzange sind frisch geölt und laufen wie von selbst. Die Seitenzange läuft in Stahleinlagen und ist plan zum Tisch. Der Tisch ist allgemein plan und hat für das Alter sehr wenig Beschädigungen. Unterseitig ist ein Schubladen dabei. Gestell und Platte sind aufgesteckt und für den Transport leicht zu trennen. Das Gewicht der Platte alleine dürfte bei 90-100 kg sein. So sah sie bei der Abholung aus:

Die unteren Bretter waren nur eingelegt und wurden umgehend entfernt.

Der bisherige Besitzer hatte sie selbst von seinem Uropa geerbt. Ein Schreinermeister und Restaurator aus München. Leider war der Verkäufer selbst handwerklich alles andere als mit Fertigkeiten gesegnet (seine eigenen Worte) weshalb er mir die Bank verkauft hat. Ich musste versprechen sie zu nutzen und falls ich sie etwas aufhübschen würde, hätte er auch nichts dagegen.

So musste es nach einer Trocknungsphase nun auch passieren, den sie ist bisher leider in einer Garage gestanden, welche ganz und gar nicht trocken war und weiterhin noch als Stellplatz für ein Auto diente. Die dunkle Färbung ist zum Teil also auch Ruß. Das konnte so nicht bleiben.

Zuerst habe ich sie thermisch behandelt. Den Schubladen habe ich über offenem Holzfeuer bzw. Buchenglut (Temperaturkontrolle mit Laserthermometer), ständig gewendet und nicht aus den Augen gelassen. Risse waren vorher schon vorhanden. Weitere kamen nicht dazu.

Das Untergestell habe ich in Folie eingepackt, mit einem Temperatur & Feuchtelogger in die pralle Sonne gestellt und jede Nacht einen Liter 100%iges Isopropanol hineingekippt um auch die Nacht gegen den gemeinen Nagekäfer zu nutzen. Ausfluglöcher waren hauptsächlich in den Füßen oben wo die Platte auflag und unten wo sie auf kaltem Betonboden stand.

Die Bankplatte selbst hatte annähernd keine Löcher, so dass ich diese direkt in den Keller brachte. Nach den thermischen Behandlungen habe ich das Untergestell zerlegt, abgeschabt und mit 120 Papier geschliffen. Und zwar so, dass nur der Haut- und Knochenleim und ein paar Farbspritzer entfernt wurden. Nun wurde sie noch mit einer Folie abgedeckt im beheizten Keller und Entfeuchtungsgerät aufgestellt. Der gemeine Nagekäfer mag keine Holzfeuchte kleiner 12%. Bei 10% verenden die Larven. Mein Ziel war 5%.

Die original Bankhaken wurden mit der Zopfbürste von Leim und Rost befreit und mit einer Leinöl-Wachs-Terpentinbalsam Mischung (je 1/3) gegen Rost geschützt.

Dann habe ich mich noch um das eingenagelte Logo gekümmert. Ich wollte unbedingt die Farbe – ich meine es ist goldfarben – erhalten, habe mich dementsprechend ungefähr 2 Stunden mit Skalpell dem Logo gewidmet. Links original, rechts gesäubert.

So und nachdem sie sich dann auch von überflüssiger Restfeuchte entledigt hatte, wurde sie mit kaltgepresstem Leinöl behandelt. Wenn dieses ganz ausgehärtet ist, werde ich hier unten noch Bilder anhängen. Sie hat damit ziemlich genau wieder die rostbraune Färbung wie bei Abholung.

Die Bank ist also noch immer mit der meisten Patina, nun aber sauber und einsatzbereit. Qualität von damals eben, als Werkzeuge noch für ein ganzes Leben oder wie hier sogar mehrere ausgelegt wurden.



Hier sind im Dropdown-Menü noch ein paar andere Maschinen aufgelistet:

Anything else



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